Bulgarien
Nachdem wir erfahren haben, dass seit einer Mautänderung 2020 das Mautsystem derart geändert wurde, dass Fahrzeuge über 3,5t ( also auch unser Bus ) nur mittels eines elektronischen Routenpasses die Straßen des Landes benutzen dürfen, war unser erster Gedanke: ok, nichts als relativ schnell durch! Routenpass heißt, wir müssen jede Strecke, die wir fahren möchten im Vorfeld online eingeben und dies alle 24 Stunden neu, denn nur so lange ist der Routenpass gültig. Rainer fluchte also bei den ersten Eingabeversuchen heftig, denn die Internetseite ist auf Kyrillisch und übersetzt immer stückchenweise und recht willkürlich. Er hatte aber ziemlich schnell den Dreh raus und wir gewöhnten uns daran, uns im Vorfeld zu überlegen wann wir wohin fahren.
Bulgarien hatte dann letztendlich doch viel mehr zu bieten, was wir uns ansehen wollten, als wir zuerst dachten!
Wir reisten an der Schwarzmeerküste entlang ein und machten unseren ersten Stopp in Nessebar. Genauer gesagt im Unesco Weltkulturerbe Alt-Nessebar. Hier konnten wir sofort am Meer auf einem großen Parkplatz stehen und die wunderschöne Altstadt besichtigen. Auf kopfsteingepflasterten Gassen schlenderten wir an den charakteristischen Häusern vorbei, die unten komplett aus Stein, oben aus Holz ein wirklich schönes Bild abgeben. Natürlich ist das Ganze etwas touristisch angehaucht aber neben viel Kitsch und Krempel findet sich auch wunderschöne Handwerkskunst, eingebettet in uralte orthodoxe Kirchen. Die Halbinsel ist nur 350m x 850m groß und beherbergt Kirchen unterschiedlicher Epochen. Interessant ist, das ca 1/3 der Stadt mittlerweile der Brandung zum Opfer gefallen sind. Um dem entgegen zu wirken sind ringsherum mächtige Betonblöcke errichtet wurden, die nur durch einige kleine Strände unterbrochen werden. An eben diesen Stränden lernten unsere Jungs die Vorzüge des Schnorchelns kennen und konnten sich gar nicht mehr sattsehen.
Abgerundet wurde unsere Aufenthalt von einem abendlichen Restaurantbesuch in der Altstadt bei welchem wir uns eine angepriesene Seebrasse schmecken ließen ;) Im Dunkeln erstrahlt Nessebar nochmals in einem ganz anderen Licht und lässt echte Urlaubsstimmung aufkommen..
Über Plovdiv und den Rila Nationalpark bis an die griechische Grenze
Nach zwei Tagen verließen wir Nessebar um weiter Richtung Süden zu fahren. Die Straßen in diesem Teil von Bulgarien sind wirklich gut ausgebaut, sodass wir ungeahnt schnell voran kamen. Vorbei an Burgas - DER Urlaubsdestination Bulgariens mit Hotels in allen möglichen erdenklichen Formen- entschieden wir uns, Bulgarien zu durchqueren um den Verlauf unserer weiteren Reise über Nordmazedonien und Albanien zu leiten. Nach zwei weiteren Stopps in kleineren Dörfern in denen wir uns hauptsächlich mit Schule beschäftigt haben steuerten wir zuerst die schon recht weit westlich liegende Stadt Plovdiv an. Die zweitgrößte Stadt Bulgariens zählt zugleich auch zu den ältesten. Wir waren sehr angetan von dem Flair dieser tollen Stadt, in der sich alte Monumente und ein modernes, offenes Stadtleben die Klinke in die Hand geben. Unser Weg führte uns schließlich weiter in den Rila Nationalpark um die 7 Rila Seen zu umwandern und uns das Rilakloster anzusehen.
Um ersteres zu realisieren empfiehlt es sich mit dem Sessellift auf die Bergstation zu fahren und die Wanderung von hier aus zu starten. Ganz zur Freude der Kinder und vor allem unseres Dackels, der erstmals eine Freifahrt in luftiger Höhe genießen konnte ;),
machten wir uns auf, um dieses Naturschauspiel zu erkunden. Noch bei der ellenlangen Sesselliftfahrt kam Regen auf, der auf über 2000m Höhe dazu führte, dass es empfindlich kalt wurde. Mit Gott sei Dank warmen Sachen im Gepäck stiegen wir noch weiter hinauf um schließlich an den ersten der insgesamt 7 Seen zu gelangen. Der Regen setzte endlich aus und wir konnten den Rest der Wanderung genießen.
Die Kargheit dieser hohen Gipfel einerseits und die erfrischenden Flächen des glasklaren Wassers andererseits lassen einen wirklich nur noch staunen. Wir folgten dem Rundweg und passierten insgesamt 5 Seen, die uns immer wieder aufs neue ein Lächeln aufs Gesicht zauberten.
Über unzählige Serpentinen fuhr unsere Bus gemächlich wieder etliche Kilometer herab und wir gönnten uns einen Restaurantbesuch um schließlich satt und müde ins Bett zu fallen.
Am nächsten Morgen machten wir uns zügig auf um das Rilakloster zu erkunden. Eingebettet in einem wunderschönen, engen Tal schlängelt sich die schmale Straße stets weiter in die Bergwelt um vor diesem architektonischen Meisterwerk und zugleich Unesco Weltkulturerbe zu stoppen. Wir sind tief beeindruckt von der Größe und zugleich filigranen Architektur und den Fresken und Ikonenmalereien der in der Mitte der Anlage gelegenen Kathedrale. Jeder Bulgare -so heißt es- war mindestens einmal in seinem Leben an diesem für die Kultur so wichtigen Ort. In der Kathedrale konnten wir eine Restaurateurin bei Ihrer Arbeit bewundern und haben ein Gespür dafür bekommen, wie aufwendig die Instandhaltung einer solchen Anlage ist. Henry sagte nur:" Mensch Mama, den Beruf will ich nicht machen, stell dir doch mal vor, die Frau vermalt sich einmal..." Auch die Kinder waren mächtig beeindruckt von dem Malereien die die gesamte Kathedrale bedecken.
Unsere letzten Kilometer in Bulgarien führen uns zu einem Privatcamping im Garten von Ivo und Ana. Einem herzlichen Ehepaar, dass Reisenden Ihren Garten samt Pool zur Verfügung stellt. Hier bleiben wir ein paar Tage hängen und genossen es in den Tag hineinzuleben. Wir bekommen frisch gepflückte Feigen, Tomaten und allerhand Kräuter aus dem eigenen Garten und haben tolle Unterhaltungen sowohl mit den Gastgebern als auch mit anderen Gästen. Daniel und Kim sind mit ihrem Hund Wilma bereits seit vier Monaten zu Fuß nur mit jeweils einem Handkarren unterwegs und wollen bis China gehen. Gerne könnt ihr ihre Geschichte auf deren Youtubekanal "tandemduo" verfolgen.
Außer um kochen, Schule und etwas Abwasch müssen wir uns hier um nichts kümmern. Ach ja, wenn die Sonne doch mal zu arg brennt, müssen wir uns aufraffen und in den Pool springen ;)
Jetzt sind wir schon so lange unterwegs wie noch nie zuvor in unserem Leben und so langsam merken wir, dass sich eine Art neuer Alltag einstellt. Wir alle können den Zeitrahmen, den wir für gewisse Dinge benötigen besser einschätzen und drosseln nochmals unser Reisetempo. Wir Erwachsenen werden langsam gelassener, können die Dinge mehr genießen und sehen unsere Kinder oft mit ganz neuen Augen. Henry ist sehr organisiert, schreibt von sich aus Tagebuch und fordert regelmäßig von selbst seine Lerneinheiten ein. Ohne Spielkonsole hat er Hörspiele auch tagsüber für sich entdeckt ( wir lieben es auch alte "Tim und Struppi" Folgen zu hören ) und hat große Freude daran, bestimmte Passagen auswendig zu lernen um diese ständig zu zitieren.
Carl hat seine Scheu vor dem Wasser von jetzt auf gleich abgelegt, er beginnt selbstständig zu schwimmen und schnorchelt, wann immer er die Gelegenheit dazu hat. Wir haben gemerkt, dass wir mit Druck bei ihm nicht viel erreichen ( was ja auch schon vorher klar war ) und freuen uns, dass unser Konzept ihn einfach an der längeren Leine zu lassen aufzugehen scheint. Er holt sich oft die Bastelkiste und kommt auf die tollsten Ideen, malt mit Wasserfarben oder beschäftigt sich draußen mit allerhand verschiedenen Dingen. Mittlerweile holt er sich sogar nach dem Frühstück selbstständig eines seiner Schulhefte und löst manchmal sogar mehr als die fest vereinbarte Seite. Die beiden freuen sich immer, wenn wir neue Leute kennenlernen, sind jetzt schon viel offener geworden und haben sich an unser "neues Leben" gewöhnt. Natürlich freuen sie sich, wenn wir an einem Ort mit freiem Wlan sind- etwas Normalität ist also geblieben ;)
Bis jetzt können wir also sagen, dass wir alles richtig gemacht haben...